Der schiefe Turm von Pisa beeindruckt mit seiner besonderen Geschichte, den Mythen, die ihn umgeben, seiner Architektur, seiner Anziehungskraft und auch mit seiner Bedeutung als touristischer Wirtschaftsfaktor für die Stadt Pisa und die gesamte Toskana.
Die Geschichte
Der schiefe Turm wurde nur durch Zufall so gebaut, wie er heute auf dem „Piazza dei Miracoli“, dem Platz der Wunder, steht. Aber schon nach den ursprünglichen Plänen sollte er ein einzigartiges Bauwerk werden: Mit 100 Metern Höhe sollte dieser freistehende Glockenturm, im italienischen Campanile genannt, die anderen Glockentürme Mittelitaliens bei weitem überragen und mit seinem runden Grundriss an Architekturkunst übertreffen.
Der Spatenstich zum schiefen Turm von Pisa erfolgte im August 1173. Das Datum des Baubeginns wurde in der Nähe des Eingangs zum Turm eingemeißelt. Allerdings steht dort August 1174 geschrieben, weil für die Pisaner damals das neue Jahr bereits im März begann.
Nach nur zehn Jahren und den ersten drei Stockwerken wurden die Bauarbeiten wieder eingestellt. Der Untergrund gab an einer Seite nach und der Turm begann sich in Richtung Südosten zu neigen. Heute weiß man, dass die Campanile an den Rand einer ehemaligen Insel gebaut wurde. Wahrscheinlich befand sich an dieser Stelle in der Antike ein Hafenbecken, das lange Zeit vor dem Baubeginn im Mittelalter bereits versandet war.
90 Jahre später nahm man in Pisa die Bauarbeiten wieder auf. Es wurde versucht, die Neigung mittels geneigten Böden und dünneren Wänden an der überhängenden Seite wieder auszugleichen. Als diese Versuche fehl schlugen, beendete man die Bauarbeiten wieder nachdem das siebte Stockwerk abgeschlossen war. Erst von 1360 bis 1372 wurde die Glockenstube mit ihren sieben Glocken daraufgesetzt. Diese wurde allerdings der Schräglage des Turms entgegengesetzt aufgebaut, sodass der Aufgang zur Glockenstube auf der Südseite aus sechs und auf der Nordseite aus nur vier Stufen besteht.
Vom „missglückten“ Bauwerk zum Weltkulturerbe
Diese einzigartige Baugeschichte brachte dem schiefen Turm von Pisa seinen Weltruhm ein. Die Schieflage trug auch zur weiteren Legendenbildung um den Turm bei. So heißt es, dass Galileo Galilei durch die Neigung dazu inspiriert wurde, die Fallgesetze zu entdecken und vom Turm aus zu überprüfen.
Seit seiner Fertigstellung hatte man Angst, der Turm könnte einstürzen. Im Mittelalter traute man sich daher nicht, die Glocken zu läuten. Dennoch zog der Turm in Pisa stets Besucher aus aller Welt an. 1987 wurden das schiefe Bauwerk und der „Platz der Wunder“ durch die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. 1990 musste die Campanile jedoch für elf Jahre gesperrt werden. So lange dauerten die Sanierungs- und Rettungsarbeiten, die das Bauwerk für die nächsten 300 Jahre sicherten. Erst seit 2001 ist der Glockenturm des Doms von Pisa wieder zu begehen.
Jedes Jahr besuchen Zigtausende Touristen den „Platz der Wunder“. Die grünen Wiesen im Kontrast zum Dom, dem alten Friedhof, den umgebenden Wänden und natürlich dem schiefen Turm, der aus 14.200 Tonnen weißem Carrara-Marmor besteht, bieten Geschichte zum Erleben und Anfassen. 300 Stufen muss man nehmen, will man die Glockenstube auf dem Turm erreichen. Hinauf führt eine spiralförmige, knapp einen Meter breite Treppe im inneren der Ringmauer. Jedes Stockwerk hat einen Ausgang zur Säulengalerie, von denen jede aus 30 Säulen besteht. In der Glockenstube angelangt hat man einen Ausblick von der Ebene des Arno auf der einen Seite, bis hin zum Parco die San Rossore auf der anderen.
15 Euro kostet die Begehung des Turms. In den Sommermonaten ist dies bis 23 Uhr möglich. Der „Piazza dei Miracoli“ mit dem Dom und dem schiefen Turm sind aber nicht alle Sehenswürdigkeiten in Pisa. Für neun Euro hat man die Möglichkeit ein Fahrrad zu mieten und die ganze Stadt damit zu erkunden. Pisa ist eine ursprünglich erhaltene Stadt der Toskana mit einem alten Stadtkern, verwinkelten Gassen und romantischen Restaurants. Sie bietet die Möglichkeit die Menschen und das Lebensgefühl in der Toskana kennen und lieben zu lernen.





