Wer ist nicht gerne im Urlaub einsam oder streift alleine auf eigene Faust durch Steppenlandschaft. Wer grenzenlose Ruhe und Erholung sucht, wird auf den Shetland Inseln sicherlich fündig. Die Shetland Inseln gehören, wie der Name bereits vermuten lässt, zu Schottland. Jedoch liegen sie geografisch zwischen Norwegen, den Färöer Inseln und Schottland, dem Mutterland.
Die Shetland Inseln sind eine vermeintlich zurückgebliebene Nation, fernab der hochzivilisierten Großstädte. Man trifft hier durchaus des Öfteren Hirten an, die ihre Herden hinaustreiben. Und man sollte auf einen Meinungsaustausch bleiben und sich von den Weltansichten der Hirten beeinflussen lassen. Denn das Gedankengut der Hirten trägt einen für den Aufenthalt über die Inseln. Sie reden von Arbeit und Politik, obwohl man in ihrem Leben nicht wirklich viel Bezug zu Politik erahnen könnte. Sie sind weltoffener, als man denkt und doch leben sie in ihrer kleinen Welt und wissen nicht viel, was in Deutschland oder Amerika passiert. Doch wieso auch, es beeinträchtigt das Leben auf den Shetland Inseln in keinster Weise.
Grandios sind die weiten Ausritte, die man hier von den vielen Bauernhöfen in Richtung Wiesenlandschaft machen kann. Pferde gibt es hier auch zur Genüge und die freundlichen Gastwirte sind durchaus bereit, einen über Nacht bleibenden Gast neben großzügiger Bewirtung auch mit dem eigenen Pferde ausreiten zu lassen. Wem der Ritt über Stein und Hügel doch etwas zu wild ist, sollte sich einfach nur berieseln lassen von den Eindrücken. Die Uhr scheint stehengeblieben zu sein auf den Inseln, und wenn sie tickt, tickt sie wohl andersrum. Die Sonnenstrahlen hier drücken einem im Sommer stärker ins Gesicht, als man erwartet. Doch die wenigen Hügel versperren einem die Sicht in das Sonnenlicht. Man begegnet hier, ob man mag oder nicht, unzählig vielen Schafen, die sich auf den Gehwegen breitmachen oder einen gar interessiert anknabbern.
Wer hier viele Sehenswürdigkeiten erwartet und kulturelle und historische Bauwerke vermutet, wird definitiv enttäuscht die Rückkehr antreten. Doch es sind nicht die Gebäude, die hier imposant sind. Es ist das Leben, das man hier führt. Doch es gibt nicht nur die Ruhe an sich, man kann hier auch feiern. Zwar wird dies nicht oft gemacht, doch wenn, dann richtig. Im Frühjahr steigen hier die Shetland Folk-Festivals sowie im Januar das Up Helly Aa-Festival. Vor allem die jungen inländischen Musiker haben die etwas rockigere Ausgabe der alten Folkmusik-Klassiker für sich entdeckt. So gibt es vermehrt Nachwuchsbands, die auch auf den Festivals auftreten, und die alte Musik nicht aussterben lassen, sondern nur moderner mischen. Und auch wenn hier keine Feierlichkeit stattfindet, man hat stets eine Folkmusik-Melodie im Kopf. Der stille Begleiter, der die Wanderungen durch die Landschaft noch beeindruckender gestaltet.
Seit kurzem sind die Shetland Inseln auch per Flugzeug erreichbar. Doch die Standard-Transportart ist wohl immer noch die Fähre. Die Einheimischen, so scheint es, verreisen nie. Zum einen wohl, weil sie nicht wirklich finanziell rosig gebettet sind. Zum anderen, weil sie ihren Landstrich so lieben, dass sie ihn wohl nie verlassen wollen. Die bedeutende Industrie, von der hier auch viele Bewohner leben, ist die Öl-Industrie. Zwar leben hier keine Ölscheichs, doch von den Ölfeldern in der Nordsee führt eine unterirdische Pipeline hinüber in die Bucht Sum Voe. Andere Shetlands sind Fischer, der Lachsfang ist eine durchaus adäquate Einnahmequelle und beschäftigt viele – auch vermehrt junge – Einwohner.
Von den Shetlands aus lässt sich auch wunderbar der Urlaub fortführen und per Fähre das benachbarte Norwegen ansteuern. Hier gibt es bekanntlich unzählige Fjorde, die einen Besuch lohnen. Viele Häfen bieten auch Fjordrundfahrten an, sodass man ab Oslo in Richtung Mittelnorwegen die Städte Bergen oder Stavanger anvisieren kann. Beides sehr schön typisch nordische und mittelgroße Städte, die mit ihrem Ambiente jedermann anlocken. Für die Familien lohnt sich sicherlich der Ausflug nach Oslo. Die Hauptstadt zeigt sich in einem ganz speziellen Licht. Hier unterscheiden sich die Gebäude, wie Tag und Nacht, und man wird nicht wirklich schlüssig aus dem System, das die Bauherren vor vielen Jahren im Kopf hatten. War es überhaupt ein System? Auf jeden Fall stehen hier plumpe Riesengebäude aus rotem Back- und Sandstein gegenüber antiken gotischen Kirchen. Und wer seinen zu Hause gebliebenen Verwandten ein Geschenk machen möchte, bringt ihnen einen der vielen Trolle aus den Souvenirläden rund um den Hafen mit. Oslo hat zwar seinen Reiz, ist aber unendlich teuer und wer keine 15 Euro für ein Menü im Fast Food Laden ausgeben möchte oder 40 Euro für eine Nacht in der Jugendherberge auf der Seite hat, der ist wohl in der falschen Stadt. Nicht umsonst ist Oslo die teuerste Stadt Europas.
Von hier aus führt der Weg quer durch Skandinavien. Oder aber direkt zurück nach Kiel in Deutschland. Die Fähre Color Fantasy, sehr edel und luxuriös mit Spielcasino, Discos und wunderschönen Kabinen würde hier direkt zur Heimfahrt einladen. Doch immer noch sind die Shetland Inseln nicht vergessen. Man möchte wieder wandern durch die Prärie, wie man sie aus Westernfilmen kennt. Also noch einmal auf die Shetlands? Nein, erst einmal die Eindrücke verarbeiten und im nächsten Jahr wiederkommen. So ist der Plan.




